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Ein bisschen „Sesam-öffne- dich“: Neue Feuerwache in Stapelfeld funktioniert ohne Schloss und Schlüssel

23.10.2014

Es ist vollbracht! Die neue Stapelfelder Feuerwache mit dem nebenan liegenden Bauhof ist fertiggestellt und wurde dieser Tage feierlich eingeweiht. 

Das neue Feuerwehrhaus an der Hauptstraße,  am östlichen Ortsrand der Gemeinde,  zeigt was in ihm steckt. Es ist das Ergebnis einer ausgewogenen, funktionalen und kostenbewussten Planung und Realisierung, zukunftsfähig und energetisch vorbildlich.

„Unser Ziel bei Planung und Ausführung war Gestaltung, Funktion und Wirtschaftlichkeit in Einklang zu bringen“, sagte Bürgermeister Jürgen Westphal. „ An einigen Stellen mussten allerdings Kompromisse gefunden werden. Nicht alles was gut und wünschenswert  wäre, konnte auch realisiert werden.“

Das alte Feuerwehrhaus in der Straße „Hinter der Schule“,  1980 in Betrieb genommen und damals von einer großen Boulevard-Zeitung als das schönste  „Spritzenhaus der Republik“ betitelt, genügte den feuerwehrspezifischen Anforderungen nicht mehr, da sich Aufgaben, Organisation und Ausstattung der Feuerwehren im Lauf der Jahrzehnte deutlich gewandelt haben. Da das gleiche auch für den von der Struktur her sehr einfachen Bauhof - ohne Heizung und fließend Wasser - galt, entschloss sich die Gemeinde für den kombinierten Neubau Feuerwehr/Bauhof und nahm für dessen Realisierung sehr viel Geld in die Hand.

Die Planungen für das Gebäude begannen 2012. Vor der eigentlichen Ausführungsplanung wurde mit viel Verve über viele  Entscheidungen in Detailfragen – von der Beschaffenheit der Fußböden bis hin zur Farbwahl -   gerungen.  Und dann dauerte die Realisierung des Neubaus,  vom Spatenstich im Herbst 2013 bis zur Übergabe, nur ein Jahr.

„Mit rund 1,95 Millionen Euro ist das Projekt nur geringfügig teurer geworden als geplant“, freute sich Architekt Thomas Miegel-Kayser. Bei Planung und Bau wurden insbesondere auch die neuen DIN-Normen und Vorschriften der Feuerwehr-Unfallkasse (HFUK) berücksichtigt, sagte Miegel-Kayser.

Auf einer 5000 Quadratmeter großen Fläche eines ehemaligen Rapsfeldes entstand ein moderner, fast barrierefreier  Zweckbau aus Betonfertigteilen und Ingenieurholzbau mit rund 1100 Quadratmetern Nutz- und Technikfläche. Ausgestattet  mit hocheffizienter Heizung und Wärmedämmung und einer sehr fortschrittlichen Haus- und Sicherungstechnik. Schlüssel benötigt man für das Feuerwehrhaus nicht mehr, da der Zugang ins Gebäude und in alle Räumen nur noch über Fingerscanner möglich ist.

Die Ausbaugewerke der miteinander verbundenen Gebäudeteile, von denen 700 Quadratmeter auf das Feuerwehrhaus und 400 Quadratmeter  auf den Bauhof entfallen, sind aus energiespezifischen Gründen stark gedämmt. Die 280 Quadratmeter große und bis fünf Meter hohe Fahrzeughalle der Feuerwehr  (Bauhof 280 Quadratmeter) verfügt über drei vier Meter hohe und fünf Meter breite Tore (Bauhof zwei Tore),  der Hallenboden ist mit einem Belag der höchsten Rutschfestigkeitsstufe „R12“  ausgestattet. Die Einsatzfahrzeuge werden während der Standzeiten über Energieblocks mit Strom und Druckluft versorgt. In der Halle gibt es eine moderne Abgas-Absaugung, die es erlaubt die Löschfahrzeuge auch innerhalb des Gebäudes warmlaufen zu lassen, eine Stiefel-Reinigungsanlage und eine gut ausgerüstete Werkstatt mit hohem Industriestandard. 

Im Alarmfall erreichen die Helfer Fahrzeughalle und Umkleiden über einen Seiteneingang. Alle Räume am Alarm-Weg haben eine Höhe von 2,25 Meter und Türbreiten von über einem Meter. So können sich die Helfer auch in  ihrer Feuerwehr-Schutzbekleidung gut bewegen und bequem die Einsatzfahrzeuge erreichen. Auch das entspräche den Vorgaben der Feuerwehr-Unfallkasse, erklärte  Miegel-Kayser.

Im  Obergeschoss des Gebäudes befinden sich Bereitschafts- und Schulungsräume mit modernster Multimedia-Ausstattung. In den 80 Quadratmeter großen Schulungsraum, der für Ausbildungsvorhaben und Zusammenkünfte konzipiert wurde, ist eine zweckmäßige Teeküche intregiert. Hier werden sich künftig auch die Musiker des

Feuerwehr-Musikzuges  Braak-Stapelfeld zu ihren gemeinsamen Übungsabenden treffen. Einen Raum für ihre empfindlichen Instrumente gibt  es in dem Neubau natürlich auch.

 Das Highlight dürfte jedoch das Energiekonzept der Temperierung des Gebäudes  sein. „Nur ein Fernwärmeanschluss ist ausreichend um in der Grundlage zu temperieren“, erklärte Miegel-Kayser und berichtet stolz, dass der Neubau  mit dem zukunftsweisenden Konzept nur wenig mehr Energie benötigt als ein größeres Einfamilienhaus. So wird die Temperatur in den Hallen  durch elektronische Regelung auf konstant sieben Grad gehalten; die in den Aufenthaltsräumen und Umkleiden auf 14 Grad. Im Einsatz- oder Bedarfsfall kann die Temperatur auf Knopfdruck rasch hochgefahren werden. So kann beispielsweise überschüssige Wärme aus dem Schulungs- und Bereitschaftsraum auch für die Erwärmung der Fahrzeughalle genutzt werden. Nach den Worten des Architekten sinkt der Energieverbrauch mit diesem Konzept pro Quadratmeter auf ein Viertel dessen, was vorher üblich war.

„Wir werden die neue Wache mit großer Freude beziehen und unsere Arbeit mit Leidenschaft fortsetzen“, sagte der Stapelfelder Wehrführer Markus Claus und kündigte an, dass Fahrzeuge und Gerät bereits zur neuen Wache verlegt werden. Die Wehr wird sich endgültig ab dem 25. Oktober vom neuen Standort  „einsatzbereit melden“, so Claus. 

Was geschieht nun mit dem alten Feuerwehrhaus? Darüber sollen die Stapelfelder Bürger mitentscheiden. Die Gemeinde hat dazu bereits einen Ideenwettbewerb ausgeschrieben.

(Text und Fotos O.Heydasch)

 

Fotoserien zu der Meldung


Ein bisschen „Sesam-öffne- dich“: Neue Feuerwache in Stapelfeld funktioniert ohne Schloss und Schlüssel (30.10.2014)

Einweihung neue Feuerwache Stapelfeld

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